Ratingen,

Wie kommt der Bagger übers Wasser?

Natur- und Artenschutz kann manchmal ganz schön kompliziert sein. Um die Vogelschutzinsel im Silbersee wieder auf Vordermann zu bringen, hatte das Grünflächenamt umfangreiche Pflegearbeiten geplant: Gehölze sollten ausgelichtet werden, übrig gebliebene Stümpfe mit einem Minibagger ausgegraben werden. Doch wie kommt ein tonnenschwerer Minibagger übers Wasser auf die Insel?

Der Plan, eine Brücke zu bauen, scheiterte am Gelände. 

Ursprünglich wollte das Technische Hilfswerk (THW) eine schwimmende Ponton-Brücke bauen, damit vom Ufer des Silbersees das schwere Gerät auf die 5000 bis 6000 Quadratmeter große Vogelschutzinsel gebracht werden kann. Doch das unwegsame Gelände machte diesen Plan zunichte. Außerdem war die Entfernung größer als man geschätzt hatte. 

Die Einsatzleitung tüftelte eine neue Lösung aus: Statt der schwimmenden Ponton-Brücke sollte nun eine Fähre den Wasserweg überwinden. Doch bis die Fähre funktionsfähig war, sollten Stunden vergehen. So wurde aus einem „schnellen Einsatz“ ein ausgewachsener Arbeitstag. Manfred Fiene, Leiter des Grünflächenamtes, war begeistert und machte die Jungfernfahrt auf der Ponton-Fähre mit, die von THW-Leute per Muskelkraft mit Seilen auf die Vogelschutzinsel gezogen wurde. Muskelkraft war überhaupt gefragt: Denn auch die vier jeweils 150 Kilo schweren Rampen zum Auffahren des Baggers auf die Fähre mussten von Hand bewegt werden.Auch Baggerführer Matthias Sempf vom Grünflächenamt war erleichtert, als der Mini-Bagger auf der Fähre stand: „Solch eine Fahrt macht man schließlich nicht alle Tage. Mir war etwas mulmig zumute. Schließlich hätte der Bagger auch ins Wasser kippen können.“Warum dieser Aufwand? In den 80er-Jahren wurde der 110 Hektar große Park rund um Grünen und Silbersee für fünf Millionen D-Mark aufgewertet. Während der Grüne See (20 Hektar) in Richtung Freizeitgestaltung ausgebaut wurde, stand beim Silbersee der Gedanke eines Biotops im Vordergrund. 

Hier sollten seltene Vögel wie der Flußoberläufer und Fische ihre Ruhe finden, um brüten und laichen zu können.„Hier lassen sich Tiere nieder, die mit einer hohen Fluchtdistanz ausgestattet sind“, weiß Manfred Fiene. Sobald Menschen in der Nähe sind, verschwinden die Tiere. Deshalb wurden in gebührender Entfernung Aussichtspunkte angelegt worden, von denen Naturfreunde die seltenen Tiere beobachten können.Die Vogelschutzinsel muss aber sandigen Boden haben und lichtdurchflutet sein, damit die Vögel hier nisten und brüten können. Im Laufe der Jahre haben sich viel Grünzeug und Bäume breitgemacht. Die wurden bereits gerodet.Doch jetzt musste das Gehölz von der Insel gebracht und die Wurzelreste ausgegraben werden. „Schon in zwei Monaten, wenn die Brutzeit beginnt, werden die Vögel Eier wie am Fließband legen“, ist sich Eckhard Herff (Grünflächenamt) sicher, dass die jetzt geschaffenen optimalen Bedingungen bei den Vögeln bestens ankommen.

Quelle: aus wz-newsline.de vom 26.02.2010 


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